Tonsillektomie: Entfernung der Gaumenmandeln

Operationsprinzip

Die Gaumenmandelentfernung wird immer beidseits vorgenommen. Meist werden die Mandeln vollständig entfernt. Gelegentlich (Kleine Kinder mit sog. obstruktivem Scharchen ohne Mandelinfekte)  kann man sich auf ein oberflächliches Abtragen des "Überstands" (sog. Tonsillotomie) beschränken. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Die Operation wird durch den Mund durchgeführt. Die beiden Gaumenmandeln werden mit speziellen Instrumenten mitsamt ihrer Kapsel aus ihrer Nische herausgelöst. Die Blutstillung während der Operation erfolgt durch vorübergehende Tamponadeneinlage sowie Gefässverödung.

Der Eingriff dauert ca. 30 Minuten. Nach der Operation bleibt eine offene Wundfläche zurück, die in folgenden 2-3 Wochen abheilt. Nach vollständiger Mandelentfernung können diese nicht mehr nachwachsen.

Risiken und mögliche Komplikationen

Nachblutung

Nach der Gaumenmandeloperation kann es bis zu 2 Wochen nach Eingriff zu einer Nachblutung aus dem Wundgebiet kommen. In der Regel sind diese Blutungen leicht, ungefährlich und einfach zu behandeln. In sehr seltenen Fällen wird eine Blutstillung in lokaler Betäubung oder Vollnarkose notwendig. Eine Blutung aus Nase oder Mund ist während der Hospitalisation sofort dem Pflegepersonal zu melden. Sollte eine Blutung zu Hause auftreten, so muss nach telefonischer Rücksprache das Spital aufgesucht werden. Als Sofortmassnahme kann bereits zu Hause eine Eiskrawatte angelegt werden. Das Blut sollte möglichst nicht geschluckt werden, da es einem sonst übel wird.

Wundinfekt

Da nach der Operation eine offene Wundfläche zurückbleibt, besteht eine gewisse Gefahr einer Wundinfektion. Falls die Schmerzen 2 -3 Tage nach dem Eingriff massiv zunehmen und ein verstärkter Mundgeruch auftritt, kann dies ein Zeichen für einen Wundinfekt sein. Ich bitte Sie, dies dem nachbehandelnden Hausarzt oder dem Pflegepersonal zu melden. Allenfalls muss ein Antibiotikum eingesetzt werden.

Zahnschaden

Da während der Operation der Mund gedehnt wird, kann es selten zu einer Beschädigung der Zähne kommen, insbesondere, wenn ein Defekt oder eine Lockerung des Zahns schon vor der Operation bestanden hat.

Geschmacksstörung

Diese treten sehr selten auf und sind Folge einer Dehnung oder Vernarbung der Geschmacksnerven im Bereich des Zungengrunds. Meist verschwinden diese Geschmacksstörungen in den Tagen nach der Operation, allerdings kann sie auch, wenn auch noch viel seltener bestehen bleiben.

Offenes Näseln

Narbige Verziehungen am Gaumensegel mit Schluckstörungen oder offenem Näseln sind selten, können jedoch nach einer Wundinfektion (siehe unter Wundinfektion) gehäuft auftreten. Ein kurzfristiges Näseln bei Kindern, insbesondere bei gleichzeitiger Rachenmandelentfernung, ist aber häufig und verliert sich nach wenigen Wochen.

Angina nach Gaumenmandelentfernung

Nach Gaumenmandelentfernung kann es, wenn auch nur selten, trotzdem zu erneuten Halsschmerzen kommen, da es in der Umgebung der grossen Gaumenmandel noch weiteres Lymphgewebe hat, welches sich entzünden kann. Eine solche Entzündung tritt gehäuft bei Patienten mit trockenen Schleimhäuten, insbesondere bei Rauchern auf.

Verhalten nach der Operation

 In den ersten 3 Wochen nach Gaumenmandelentfernung sollte man alles meiden, was den Blutdruck erhöht („Alles, was einen roten Kopf macht“), wie z.B. Sport, heisse Bäder, direkte Sonneneinstrahlung, Sauna, Heben von schweren Lasten etc.. Ebenso zu vermeiden sind Alkohol, heisse Getränke, saure Getränke wie Fruchtsäfte, scharfe oder kantige Speisen wie Brotrinden oder Pommes frites. Kleinkindern sollen in den ersten 10 Tagen nach Operation zu Hause bleiben und nicht ohne Aufsicht mit andern Kindern spielen.

Lauwarmes Duschen und Haare waschen ist ab dem 3. Tag nach der Operation erlaubt.

Die Hospitalisationszeit beläuft sich auf 3-5 Tage. Eine Nachkontrolle ist ca. eine Woche nach Hospitalisation beim Hausarzt, Kinderarzt oder in meiner Sprechstunde zu planen.

Wichtig ist, dass die frisch operierten Kinder nicht in Kontakt mit anderen, erkälteten Kindern kommen. In der Regel sollten sie deshalb während ca. 10 Tagen nach der Operation nicht in den Kindergarten oder die Spielgruppe. Bei Erwachsenen ist mit einer Arbeitsunfähigkeit von 2-3 Wochen zu rechnen.

Bei Fieber sollten Sie den Haus- oder Kinderarzt aufsuchen und bei Nachblutungen direkt mit mir Kontakt aufnehmen.

Weitere Fragen können jederzeit gerne mit mir besprochen werden.