Parazentese und Paukendrainage: Trommelfellschnitt und Paukenröhrcheneinlage

Operationsprinzip

Der Trommelfellschnitt dient zur Druckentlastung und Ergussentleerung aus dem Mittelohr. Da dieser Schnitt im Normalfall innerhalb weniger Tage zuheilt, muss unter Umständen zur Langzeitbelüftung ein Paukenröhrchen eingesetzt werden. Der Trommelfellschnitt und die Einlage des Paukenröhrchens erfolgt durch den Gehörgang unter mikroskopischer Kontrolle.

Der Eingriff dauert 10-30 Minuten und erfolgt in Allgemeinnarkose (bei Kindern) oder allenfalls in örtlicher Betäubung (bei Erwachsenen). Die Operation wird üblicherweise ambulant durchgeführt.

Risiken und mögliche Komplikationen

Infektion

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es selten zu einer Infektion der Wunde kommen. In diesem Fall würde sich eine akute Mittelohrentzündung einstellen. Diese muss mit Antibiotika behandelt werden.

Abstossungsreaktion

Sehr selten kann sich das Röhrchen innerhalb von wenigen Wochen in den Gehörgang abstossen. In solch einem Fall müsste der Eingriff wiederholt und ein anderes Paukenröhrchen eingesetzt werden.

Dauerperforation

Äusserst selten heilt die gesetzte Öffnung nicht spontan zu. In solch einem Fall wäre nach ca. 6 Monaten ein operativer Verschluss des Trommelfells in Vollnarkose notwendig.

Temporärer Schwindel und Gesichtsnervenlähmung

Insbesondere nach örtlicher Betäubung kann es einige Stunden nach der Operation zu Schwindelerscheinungen sowie sehr selten zu einer Gesichtslähmung kommen. Beide Symptome sind praktisch immer nur von vorübergehender Natur.

Rückfallgefahr

Insbesondere bei Kindern kann es nach Verschluss des Trommelfellschnittes oder nach spontanem Abstossen des Paukenröhrchens erneut zu einem Mittelohrerguss kommen. In solch einem Fall ist nach erfolgloser konservativer Therapie nochmals ein Eingriff erforderlich.

Hörminderung

Seltenst kann es anlässlich der Operation insbesondere bei einem engen Gehörgang zu einer Verletzung der Gehörknöchelchen kommen mit der Folge einer Hörminderung bis hin zur Taubheit.

Gefässanomalie / Blutung

Sehr selten besteht ein anomaler Gefässverlauf, sodass die Blutgefässe offen hinter dem Trommelfell verlaufen. Meist erkennt man diesen Befund vor einer Operation. Äusserst selten, wenn diese Anomalie nicht erkennbar ist, könnte das Einsetzen eines Röhrchens oder das Legen eines Trommelfellschnitts zu einer Blutung führen, die dann mit einer Gehörgangstamponade behandelt wird.

Verhalten nach der Operation

Bei liegendem Paukenröhrchen oder bis ca. eine Woche nach Trommelfellschnitt besteht eine offene Verbindung zwischen Gehörgang und Mittelohr. Dusch- oder Badewasser, Shampoo oder Bakterien aus dem Gehörgang können somit ins Mittelohr gelangen und dort eine Entzündung verursachen. Dies äussert sich im Auftreten von Ohrenschmerzen oder Herausfliessen von Sekret aus dem Gehörgang. Treten solche Symptome auf, so ist der Arzt zu konsultieren.

Das Tauchen mit einem Paukenröhrchen kann lebensgefährlich sein, da durch das Eintreten von kaltem Wasser Schwindel ausgelöst wird und der Taucher so die Orientierung unter Wasser verliert.

Aus diesen Gründen soll, solange das Paukenröhrchen im Trommelfell ist sowie bis eine Woche nach Trommelfellschnitt der Gehörgang beim Baden oder Duschen vor eintretendem Wasser geschützt werden. Dies geschieht entweder durch speziell angepasste Silikonstöpsel oder z.B. Oropax. In Apotheken ist auch vorgefettete Spezialwatte erhältlich.

Entfernung der Paukenröhrchen

Eingesetzte Paukenröhrchen werden beim Kind nach durchschnittlich 6-12 Monaten spontan in den Gehörgang abgestossen. Ein Zweiteingriff erübrigt sich also meistens. Geschieht keine spontane Abstossung so wird das Paukenröhrchen allenfalls entfernt.

Weitere Fragen können jederzeit gerne mit mir besprochen werden.